Awardee

Martin Steinmann (1942-2022)

2000_Theoriepreis Martin Steinmann©privat
2000_Theoriepreis Martin Steinmann©privat

Preisträger

Martin Steinmann sich seit vier Jahrzehnten auf nahezu allen Ebenen mit der Architektur auseinander: in der Forschung, der Lehre, der Publizistik und der Praxis. Vor allem anderen beschäftigt sich Steinmann mit den Bedingungen, unter denen die gebaute Wirklichkeit entsteht. Mit seiner Forschungstätigkeit und parallel zum Aufbau des CIAM-Archivs an der ETH Zürich entwickelte er seine Position zur Fortführung der Moderne. Über zwei Jahrzehnte beeinflusste Steinmann in der Redaktion der Zeitschriften Archithese und Faces die Architektur nicht nur in der Schweiz. Mit dem Anspruch, dass zeitgenössische Architektur im Zusammenwirken von Tradition und Regeln im Dienste des Allgemeinwohls entstehen muss, setzt er sich selbst und seinen Kollegen hohe intellektuelle Maßstäbe.

Martin Steinmann wird mit dem Schellingpreis für Architekturtheorie 2000 ausgezeichnet. (W. Wang)

Kazuyo Sejima

2000_Architekturpreis Kazuyo Sejima@privat
2000_Architekturpreis Kazuyo Sejima@privat

Preisträgerin

Kazujo Sejima erregte bereits mit ihren frühen Bauten Aufmerksamkeit, die nicht nur Eleganz der Formkomposition und Materialzusammensetzung, sondern vor allem eine ganz und gar eigenständige Entwurfshaltung erkennen lassen. Denn die junge japanische Architektin geht von einer abstrakten Beschreibung der Nutzungszusammenhänge aus, für die das jeweilige Gebäude bestimmt ist, überträgt sie in ein räumliches Diagramm und verwandelt dieses Diagramm in Architektur. Daraus resultieren ebenso ungewöhnliche wie einprägsame Gebäude, die jegliche überkommene Typologie zu sprengen scheinen, dabei aber eng mit ihrer Funktion verbunden bleiben.
Insofern greift Kazujo Sejima den Faden der Moderne wieder auf, deren Prämissen und Anspruch sie jedoch unorthodox und zeitgemäß neu interpretiert. Anders als ihr Lehrer Toyo Ito und die meisten seiner Generation geht es ihr dabei nicht darum, die Flüchtigkeit des Zeitgenössischen widerzuspiegeln oder gar zu überhöhen, sondern im Gegenteil um eine kontemplative Verlangsamung – bar jeglicher Nostalgie.

Kazuyo Sejima erhält den Schelling Architekturpreis 2000.

Manuel Castells

Preisträger

Seit über drei Jahrzehnten widmet sich Manuel Castells den Problemen der Architektur- und Stadtentwicklung. Sein erstes Buch „La Question urbaine“ von 1972 wurde zu einem weltweit bekannten Klassiker der Stadtsoziologie.
In seinem Buch „The City and the Grassroots“ von 1983 analysierte Castells die Rolle der sozialen Bewegungen in europäischen, nord- und südamerikanischen Stadtentwicklungen. Bereits 1989 untersuchte er, wie die neuen Informationstechnologien wirtschaftliche und städtebauliche Prozesse beeinflussen.
Mit seinem dreibändigen Werk „Das Informationszeitalter: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft (Band 1), Die Macht der Identität (Band 2) und Jahrtausendwende (Band 3)“ gab er auch der Diskussion über Ent- und Verstädterungsprozesse in Deutschland neue Impulse.

Manuel Castells erhält den Schellingpreis für Architekturtheorie 2004.

Benjamin Foerster-Baldenius

Benjamin Förster-Baldenius
© Privat / Schelling Architekturstiftung

Preisträger

Mit der Diplomarbeit stellte Benjamin Foerster-Baldenius bereits die herkömmliche Tätigkeit von Architekten in Frage. Der Schwerpunkt seiner eigenen Arbeit liegt in der Planung und der Durchführung von Veranstaltungen und ephemeren Bautenwie zum Beispiel dem „bad ly“, einem öffentlichen Freibad in Bauschuttcontainern, oder der 100 Meter langen Küchenzeile für das Architekturforum Linz – beides Projekte aus dem Jahr 1999.
Als Mitglied der Berliner Gruppe raumlabor entwickeln Foerster-Baldenius und seine Partner stadtplanerische und architektonische Projekte, indem je nach Bedarf Arbeitsgemeinschaften aus „losen Haufen, einem netten Netzwerk, zwei Räumen mit ein bisschen Technik“ gebildet werden.
Foerster Baldenius wagt eine Prognose: „In zehn Jahren ist raumlabor eines der größten architektonischen Netzwerke, mit 950 Laboranten weltweit und den ersten zweitausend realisierten Raumlaborprojekten. Das Label steht für grün, witzig und viel zu billig“.

Benjamin Foerster-Baldenius erhält den Schelling Architekturpreis 2006.

Werner Sewing (1951–2011)

2006_Theoriepreis Werner Sewing©Privat
2006_Theoriepreis Werner Sewing©Privat

Preisträger

Durch deutliche Benennung von architektonischen und städtebaulichen Entwicklungen hat der Berliner Architektursoziologe Werner Sewing seit einem Jahrzehnt unerschrockene, wie analytisch dichte Kritik geübt. Bemerkenswert ist die geographisch umfangreiche Breite and fachliche Tiefe, in die Sewing systematisch in seinen Schriften vor- und eingedrungen ist. So entstanden Schriften zu den städtebaulichen Phänomenen in den USA wie auch zum zweiten steinernen Berlin, oder zum unfreiwillig sich wandelnden Selbstverständnisses des Berufsstandes (u.a. zusammengefaßt in Sewings Buch: Bildregie: Architektur zwischen Retrodesign und Eventkultur, Basel 2003).

Sewings Essays und Vorträge sind durch klare, auch einem nicht-fachlichen Publikum erschließbare Aussagen geprägt. Der mit Euro 10 000 dotierte Erich Schelling Architekturtheoriepreis würdigt besonders das unabhängige Engagement Sewings die komplexen Wandlungen der Architektur und des Städtebaus aus soziologisch-kritischer Betrachtung in vorbildlicher Weise einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Werner Sewing erhält den Schellingpreis für Architekturtheorie 2006.

 

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